Polen, Land und Leute
Die Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie. Der traditionelle und
offizielle Name - Republik Polen (Res Publica Polonorum) - geht zurücke auf die
Anfänge des 16. Jahrhunderts.
Das Staatswappen ist bereits eit sieben Jahrhunderten
der Weiße Adler auf
rotem Feld. Die polnischen Nationalfarben sind weiß-rot.
Das oberste gesetzgebende Organ in Polen ist das Parlament, es besteht aus
zwei Kammern, dem Senat und dem Sejm, welche für eine vierjährige
Legislaturperiode gewählt werden.
Der Sejm zählt 460 Abgeordnete, der Senat setzt sich aus 100 Senatoren zusammen.
Staatsoberhaupt der Repubilk Polen ist der Staatspräsident, er wird in
allgemeinen Wahlen direkt vom Volk für eine Amtszeit von 5 Jahren gewählt,
als Unterschied zur Bundesrepublik Deutschland, wo die Wahl des Staatsoberhauptes,
des Bundespräsidenten nicht direkt erfolgt.
Das oberste Staatsorgan der Exekutive ist der Ministerrat (Regierung), an dessen
Spitze der Ministerratsvorsitzende (Premierminister) steht.
Wo einst die jahrhundertealten Handelsstraßen aufeinander trafen
und sich heute moderne Verkehrswege kreuzen, zwischen West und Ost, Nord
und Süd, inmitten des europäischen Kontinents, liegt Polen. Seine Grenzen
bilden im Norden die Gewässer der Ostsee, an welcher als Polens Fenster zur Welt
die drei große Häfen, Gdańsk (Danzig), Szczecin und Gdynia, liegen.
Im Süden sind es die Karpaten mit der felsigen Hohen Tatra, welche die Grenze bilden.
Im Osten verläuft die Grenze entlang des Bugs, eines majestätischen, sich durch
Flachland schlängelnden Flusses.
Im Westen bildet die schiffbare Oder die Grenze.
Mitten durch das Land fließt der größte Fluss Polens - die
Weichsel (1047 km).
An der Weichsel, dem gößten Fluss Polens (1047km), liegen die Hauptstadt Warschau sowie eine Reihe
weitere, historische Städte Polens, wie Krakau, Sandomierz, Kazimierz,
Płock, Toruń und Gdańsk. Sie sind berühmt wegen ihrer vielen Sehenswürdigkeiten, der
herrlichen Altstädte und Gebäude mit Denkmalswert, deren Geschichte bis
ins 12. und 13. Jahrhundert zurückreichen.
Sie erinnern wie viele andere über das ganze Land verstreute Orte, nicht nur an
die schwierige und oftmals
stürmische Geschichte Polens, sondern auch an dessen Blütezeit. Besonders
im 16. Jahrhundert, als Polen eine der mächtigsten europäischen
Dynastien, die Jagiellonen, beherbergte und beherrscht wurde,
erlebte der polnische Staat eine umfassende Entwicklung.
Denkwürdig ist an dieser Tatsache vor allem, dass diese Blütezeit
keine Folge von Eroberungen, sondern von umsichtigen Regierens, guten
Wirtschaftens und eines lebhaften Handels mit anderen Ländern war.
Die Christianisierung Polens im Jahre 966 gilt aus heutiger Sicht als Beginn des
polnischen Staatswesens. Der Taufakt bildete die Grundlage für die Entwicklung der
polnischen kulturellen Identität, verband Polen eng mit der lateinischen
Zivilisation und das polnische Volk mit der römisch - katholischen Kirche.
An vielen erhalten gebliebenen Burgen, Schlössern, Residenzen und
Gutshäusern aus dem Mittelalter als auch aus späteren
Jahrhunderten wird dies deutlich sichtbar.
Sie sind Teil des europäischen architektonischen
Kulturerbes, tragen aber auch deutlich einen eigenen polnischen Stil.
Zusammen mit Hunderten wunderbarer Sakralbauten prägen sie die Landschaft
Polens sowohl in den Städten als auch auf dem Lande.
Die zentrale Lage spielt und spielte eine bedeutende
Rolle in der Entwicklung Polens. Friedvolle Zeiten trugen zur Entwicklung des Landes bei,
verbesserten die Lebensbedingungen der Einwohner und sorgten für eine gute
Wirtschaftskonjunktur. Die von außen aufgezwungenen Kriege hingegen
brachten Niederlagen Unglück und Leid über das polnische Volk.
So war es z.B. während des I.
Weltkriegs und um so schlimmer während des II. Weltkriegs, einer wahren Katastrophe
für Polen. Um dies zu veranschaulichen, sei die Tatsache erwähnt, dass
Polen im Ergebnis des II. Weltkriegs über 11 Mio. seiner Einwohner verlor.
Polen grenzt im Norden an Russland (210 km, Oblast Kaliningrad), im
Osten an Litauen (103 km), die Belarus (416 km) und die Ukraine (529 km),
im Süden an die Slowakei (539 km) und die Tschechische Republik (790 km),
im Westen an Deutschland (467 km). Die Länge der Seegrenze, reich an
wunderschönen Sandstränden, beläuft sich auf 524 km.
Polen gehört zu den mittelgroßen Staaten. Seine Gesamtfläche beträgt
312.683 km2, dies bedeutet Rang 9 in Europa und Rang 66 in der Welt.
Polen ist damit ein bischen größer als Großbritannien oder
Italien und nimmt 3% der Fläche Europas ein.
Landschaftlich gesehen ist Polen größtenteils eine Ebene. Es liegt im
Schnitt 173m über dem Meeresspiegel. Das bedeutet aber keineswegs eine monotone
Landschaft, in vielen Regionen Polens trifft man auf
malerische Anhöhen und Hügel. Der höchste Berg Polens ist der Berg Rysy (2499m), in
SüdPolen gelegen.
Das Vorgebirge und die Gebirgslandschaften werden wegen der herrlichen Ansichten,
interessanten Wanderwege, hervorragenden Wintersportbedingungen,
zahlreichen Pensionen, Berghütten und Hotels sowie Seilbahnen und Skilifts
von vielen
Erholungssuchenden und Touristen besucht.
Es lohnt es sich zu jeder Jahreszeit, hier den Urlaub zu verbringen. Ganz
andere, aber nicht weniger reizvolle Ansichten sind in Masuren, dem "Lande
der 1000 Seen" im Norden Polens vorzufinden. Die Seen sind durch Kanäle,
die sich durch Wälder und Wiesen hinziehen, miteinander verbunden.
Segler, Ruderer und Wanderer besuchen nicht
nur im Sommer diesen Landstrich,
sondern auch im Winter, wenn man die zugefrorenen Seen schneller als der
Wind mit Eisjachten überqueren kann.
In Polen herrscht ein gemäßigtes Klima. Das Frühlingsgrün mit den
ersten Blüten und Blättern erwacht meist Anfang April. Im Herbst, im
Oktober und November, gewinnen die Blätter ihre herbstliche Farbenpracht,
um dann von den Bäumen zu fallen. Die Winter sind nicht allzu streng, nur
im Nordosten fallen die Temperaturen unter -20°C (Rekord in diesem
Jahrhundert bei -34°C).
Die Sommer, in den letzten Jahren immer trockener,
sind warm, manchmal sogar heiß (Rekord bei +38°). Die durchschnittlichen
Niederschläge betragen derzeit etwa 600 mm jährlich. Die Pflanzenvielfalt in Polen
ist immer noch als recht groß einzuschätzen, wenn sie auch nicht mehr so
üppig ist, wie sie es einst vor Jahrhunderten war, als in riesigen
Wäldern und Urwäldern verschiedenartige Bäume wuchsen.
Die Wälder waren
voller Kiefern, Eichen, Weißbuchen, Buchen, Tannen, Linden Eschen, Eiben,
Lärchen und vieler anderer Baumarten und machten damals 3/4 der Fläche
aus. Heutzutage beträgt die Bewaldung nicht mehr als 28%. Von den im
ursprünglichen Zustand bewahrten Wäldern ist der in Europas einzigartige
Bialowieza-Urwald zu nennen (58000 ha auf polnischem Staatsgebiet). Viele
Reservate, Nationalparks und Landschaftsschutzgebiete, mit besonders
wertvoller Natur und von seltener Schönheit, außergewöhnlich reich an
Pflanzenvielfalt, stehen unter Naturschutz.
In polnischen Wäldern sind viele Tierarten, vor allem Rehe, Hirsche,
Wildschweine, Elche, Füchse, Hasen und Dachse heimisch. In den Bergen in
SüdPolen leben einige, vielleicht sogar ein Dutzend Bären in freier
Wildbahn. Unter der ständigen Pflege der Förstereien befinden sich,
einmalig in der Welt, Herden von Wisenten (über 300 Stück), die oftmals
mit den nordamerikanischen Bisons verwechselt werden. Polen ist reich an
Bodenschätzen. Wichtigste Rohstoffe sind: Steinkohle in SüdPolen
(qualitativ eine der besten in Europa), Braunkohle, Buntmetallerzen,
insbesondere Zink-Bleierze, Eisenerze, Nickel, Kobalt sowie Schwefel, Salz
und Kalium. Polen ist auch einer der weltgrößten Produzenten von Silber.
Zu den besonders entwickelten Wirtschaftszweigen Polens gehören die
Elektro-, Lebensmittel-, Leicht-, besonders Textil-, chemische-,
Elektronik- sowie die Brennstoffindustrie und Energiewirtschaft. Grundlage
der Agrarproduktion sind kleine und mittelgroße Familienhöfe. Der größte
Teil der Anbaufläche wird genutzt für Roggen, Kartoffeln, Futterpflanzen,
Zuckerrüben, Raps sowie Gemüse und Obst. Auch die Schweine-, Rinder- und
Geflügelzucht ist gut entwickelt.
Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist Polen ein Land von
mittlerer Bevölkerungsdichte. Auf jeden Quadratkilometer entfallen 123
Personen. In Polen leben 38,5 Mio. Personen. Polen nimmt in dieser
Hinsicht den 7. Rang in Europa und den 25. in der Welt ein. Im Ausland, in
vielen Ländern der Erde, darunter den USA, Russland, Deutschland,
Kasachstan, Tschechien, der Slowakei, Frankreich, Kanada, der Ukraine,
Brasilien, der Belarus und Litauen wohnen insgesamt über 10 Millionen
Polen und Personen polnischer Abstammung. Nationale Minderheiten
(Weißrussen, Litauer, Deutsche, Ukrainer, Juden) machen 2-3% der
Bevölkerung Polens aus. 62% der Bevölkerung wohnen in Städten. Die größten
von ihnen sind: Warschau (1652 Tsd), Łódź (631 Tsd), Krakau (746 Tsd),
Wrocław (643 Tsd), Poznań 8583 Tsd), Gdańsk (464 Tsd), Szczecin (418 Tsd),
Bydgoszcz (384 Tsd), Katowice (359 Tsd) und Lublin (352 Tsd).
In Polen gibt es 159 Hochschulen, an denen 682 000 Personen
studieren. Es ist erwähnenswert, dass die Krakauer Akademie, die erste
polnische und eine der ältesten Universitäten Europas, die jetzt unter dem
Namen Jagiellonen-Universität bekannt ist, 1364 gegründet worden ist.
Äußerst interessant waren die Geschicke der polnischen Nationalhymne.
Man kann sie anhand der vielen Urkunden und Andenken kennelernen, die
sorgsam in einem ländlichen Gutshaus im Norden Polens aufbewahrt werden
und in dem sich ein Museum der Nationalhymne befindet, weil dort der
Verfasser ihres Textes geboren wurde, der ihn im Juli 1797 an einem weit
entfernten Ort, im fremden, wenn auch freundlichen Italien, schrieb. Dort
wurde polnischen Soldaten, nachdem Polen durch die Nachbarstaaten
aufgeteilt worden war, Gastfreundschaft gewährt. Das Lied, das mit den
Worten "Noch ist Polen nicht verloren" beginnt, und das spontan auf die
Melodie einer bekannten Mazurka gesungen wurde, geriet von einem Tag auf
den anderen zur Hymne der polnischen Legionen in Italien. Das Lied wurde
immer bekannter, eroberte die Herzen aller Polen und überdauerte mit ihnen
die fast 150 Jahre der Unterdrückung. Vielleicht wäre es sogar richtiger
zu sagen, dass eben diese Hymne die Polen zur Unabhängigkeit führte.
Einige Jahre später, im Jahre 1926, wurde dieses Lied offiziell zur
polnischen Nationalhymne erhoben.
In Polen werden zwei Nationalfeiertage besonders feierlich begangen:
der 3. Mai (Jahrestag der Beschließung der Verfassung des 3. Mai 1791 -
der ersten in Europa und der zweiten in der Welt) sowie der 11. November
(Unabhängigkeitstag).
Jedes Jahr besuchen viele Touristen Polen. Viele von ihnen haben
Gelegenheit, die traditionelle Gastfreundschaft und Freundlichkeit der
Polen kennenzulernen. Aufmerksame Gäste werden sich auch davon überzeugen
können, was für einen bedeutenden Beitrag und interessante Werte Polen in
das Kultur- und Zivilisationserbe Europas und der Welt eingebracht hat.
Staatssymbole

Das Wappen - ein gekrönter weißer Adler auf rotem Hintergrund -
existierte bereits lange vor der polnischen Fahne. Einer Legende
zufolge beschloß der erste Herrscher Polens beim Anblick eines
Adlers, der bei Sonnenuntergang in seinem Horst nistete, dieses Bild
als sein Emblem zu verwenden. Die Krone stammt aus jener Zeit, als
Polen ein Königreich war. Im Laufe der Jahrhunderte ist der Adler in
zahlreichen unterschiedlichen Varianten erschienen (z.B. ohne Krone)
- seinen Blick richtete er jedoch stets nach rechts (also nach
Westen).

Die Farben der polnischen Fahne - weiß und rot (amarant) - gehen
auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals wurden sie vom
polnischen Wappen übernommen. Weiß, das immer oben ist, symbolisiert
die Sehnsucht nach moralischer Integrität, während rot für jene
Opfer steht, die im Laufe der langjährigen und ereignisreichen
Geschichte für die Erlangung der polnischen Unabhängigkeit gebracht
worden sind.
Republik Polen in Fakten
Die Republik Polen (Rzeczpospolita Polska) grenzt im Westen an
Deutschland, im Süden an Tschechien und an die Slowakei. Ihre Nordgrenze
bilden die Ostsee (528 km) und Russland.
Auf einem Gebiet von 312.700 km leben über 38,5 Millionen Menschen
(98,4 Prozent Polen, über 90 Prozent Römische Katholiken), davon 1,8
Millionen in der Hauptstadt Warszawa. Zu den größten Städten Polens
gehören: Łódź, Kraków/Krakau, Wrocław/Breslau, Poznań/Posen,
Gdańsk/Danzig, Katowice/Kattowitz und Szczecin/Stettin. Die Staatsform
Polens ist eine Parlamentarische Demokratie mit dem Staatspräsidenten,
Zweikammerparlament (Sejm und Senat), Ministerrat.
Im Jahre 1998 kamen nach Polen 18,8 Mio. ausländische Touristen,
darunter 6,7 Mio. aus Deutschland. Als Tourist betrachtet man Besucher,
die mindestens 1 Übernachtung in Polen haben. Der durchschnittliche
Aufenthalt der deutschen Touristen betrug 5,9 Tage (1997- 5, 7 Tage).
Von einem bedeutenden Anstieg des Interesses an den touristischen
Reisen nach Polen bezeugen Daten der Weltorganisation für Tourismus (WTO).
Danach stand Polen an 13.Stelle unter den Ländern mit den höchsten
Einkünften aus Auslandstouristik und neunter Stelle unter den Ländern, die
am häufigsten von Touristen besucht werden.
In Polen gibt es ca. 3500 Reisebüros, die zum größten Teil in der
Incoming- Touristik tätig sind. Polen verfügt über 700.000
Übernachtungsplätze in 8000 Ortschaften (Hotels, Motels, Pensionen,
Campingplätze). Dazu muss man noch 500.000 Plätze in Ferienheimen
hinzurechnen, die nur im Sommer zur Verfügung stehen.
Seit 1. Januar 1999 ist Polen in 16 Woiwodschaften aufgeteilt. Das sind
die neuen Bezirke (in Klammern die Hauptstadt):
- Zachodnio- Pomorskie/Westpommern (Szczecin/Stettin)
- Pomorskie/Pommern (Gdańsk/Danzig)
- Warmińsko-Mazurskie/Ermland und Masuren (Olsztyn/Allenstein)
- Podlaskie (Białystok)
- Lubuskie/Lebus (Woiwode in Gorzów/Landsberg, Landtag in Zielona
Góra/Grüneberg)
- Wielkopolskie/GroßPolen (Poznań/ Posen)
- Kujawsko-Pomorskie/Kujawien und Pommern (Woiwode in
Bydgoszcz/Bromberg, Landtag in Toruń/Thorn)
- Mazowieckie/Masowien (Warszawa/Warschau)
- Dolnośląskie/Niederschlesien (Wrocław/Breslau)
- Łódzkie/Lodsch (Łódź)
- Lubelskie (Lublin)
- Opolskie/Oppeln (Opole/Oppeln)
- Śląskie/Schlesien (Katowice/Kattowitz)
- Świętokrzyskie (Kielce)
- Małopolskie/KleinPolen (Kraków/Krakau)
- Podkarpackie/Karpatenvorland (Rzeszów)
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